endlwelt

Thomas Endls Welt der Bücher und Bilder

Ein Herz und eine Serie


Fernsehgeschichten
hg. von Bettina Brömme & Thomas Endl,
Anthologie, Reclam Leipzig, 223 Seiten, 1999

Ein Insider-Plausch von Suchtkranken, die nicht geheilt werden wollen. (Die Zeit)

Die Beiträge der Anthologie machen neugierig auf das Erkunden bisher unbekannter Serienwelten. (Deutsche Welle)

Die Autoren dieses Buches sind Serientäter, sie haben ihre Jugend vor dem Fernseher verbracht, Woche für Woche, Folge für Folge. Und sie bereuen nichts. In dieser Anthologie finden Sie beispiellose Bekenntnisse von Gleichgesinnten zu den wahren Folgen des Fernsehens: amüsant und analytisch, faktenreich und fiktiv, kunterbunt und kurios.  Wenn die Autoren tief in der Flimmerkiste ihrer Erinnerungen kramen, vermischen sich Fernsehgeschichten mit ganz persönlichen Erlebnissen, fließen Filmwelt und Alltagsleben ineinander.

Christoph Deumling, Elke Heidenreich, Oliver Kalkofe, Ralf König, Rainer Moritz, Baby Neumann, Hans Pleschinski, Klaus Reichold, Xenia Sircar, Johannes Streif, Keto von Waberer, Jan Weiler, Mario Wirz  und viele andere erinnern sich an  Bonanza, Raumschiff Enterprise, Golden Girls, Flipper, Lassie, Magnum, Die Simpsons und all die anderen wunderbaren Serien.

Leseprobe:
Klaus Reichold: Pansen oder Ölsardinen?

Natürlich glaubte ich an die gute Fee. Ich sah sie ja jede Woche im Fernsehen. Sie thronte mit Vorliebe auf dem Beifahrersitz eines blauen Pick-ups, war ein Hund und hieß Lassie. Anfangs irritierte mich noch, daß die gute Fee bellt und Pansen frißt. Doch dieser Verunsicherung machte bald staunende Bewunderung Platz. Denn Lassie war nicht nur klug, sondern hatte auch das, was man Sozialkompetenz und Zivilcourage nennt. Aufopferungsbereit stürzte sie sich in immer neue, heldenmutige Abenteuer, half da einer Berglöwin, die zu Unrecht des Hühnerdiebstahls bezichtigt wurde, bewahrte dort eine Gans samt Küken vor dem Feuerschweif einer startenden Rakete, befreite hier ein verschüttetes Kätzchen aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses, lotste da einen verletzten Hund zur nächstliegenden Sanitätsstation. Robin Hood, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk in einem, machte sie mit ihrem unermüdlich guten Willen auch nicht vor Menschen Halt: Sie rettete kleine Ausreißer, behinderte Kinder, hysterische Frauen und leichtsinnige Rancher. Schließlich leistete sie an der Seite ihres neuen Herrchens, eines Soldatenpfarrers, auch noch Militärseelsorge. Ihre beispielhaften Taten füllen ganze Videotheken …